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Ein Jahr EU-Reparaturpflicht: Nur 18 Prozent der Datenblätter führen wirklich zu Reparaturinfos
Seit Juni 2025 muss jedes Smartphone in der EU eine Reparaturklasse ausweisen und Ersatzteilpreise hinterlegen. Eine Auswertung von 2.334 Datensätzen zeigt, was davon in der Praxis ankommt.
Seit dem 20. Juni 2025 unterliegen Smartphones und Tablets in der EU Reparierbarkeitsanforderungen. Die Reparaturplattform iFixit hat zusammen mit Right to Repair Europe ein Jahr später nachgesehen, was in der zugehörigen EU-Datenbank tatsächlich hinterlegt ist – und kommt auf einen niedrigen Wert.
Was seit Juni 2025 gilt
Mit der Ökodesign-Verordnung für Smartphones und Tablets kam ein erweitertes Energielabel. Neben der Energieeffizienzklasse weist es seither eine Reparaturklasse von A bis E aus. Dahinter steht ein Punktwert aus mehreren Teilbewertungen – unter anderem Zerlegetiefe, benötigte Werkzeuge, Art der Befestigungselemente, Ersatzteilverfügbarkeit, Dauer der Softwareunterstützung und Zugänglichkeit der Reparaturinformationen. Wie sich das bei einem konkreten Gerät liest, haben wir am EU-Reparaturindex des iPhone 18 Pro aufgeschlüsselt.
Die Werte werden nicht von einer unabhängigen Stelle geprüft, sondern von den Herstellern selbst erklärt und in die europäische Produktdatenbank EPREL eingetragen. Zusätzlich verlangt die Verordnung, dass im Datenblatt eine Adresse steht, unter der Reparaturanleitungen und indikative Ersatzteilpreise abrufbar sind. Genau dieses Feld hat iFixit sich vorgenommen.
⚠️ Selbstauskunft, keine Prüfung
Die Reparaturklasse ist eine Herstellerangabe nach vorgegebener Methodik. Vor der Veröffentlichung schaut niemand nach, ob sie stimmt.
Was in der Datenbank steht
Ausgewertet wurden 2.334 Smartphone-Datensätze von Modellen, die im vergangenen Jahr in der EU in Verkehr gebracht wurden. Nur bei etwa 18 Prozent führt die hinterlegte Adresse tatsächlich zu Ersatzteilpreisen oder Reparaturanleitungen. Die übrigen vier Fünftel verteilen sich so:
| Was im Datenblatt steht | Anteil der 2.334 Einträge |
|---|---|
| Adresse führt zu Ersatzteilpreisen oder Anleitungen | rund 18 % |
| Feld ist leer | rund 50 % |
| Produkt- oder Supportseite ohne die geforderten Angaben | rund 19 % |
| Unbrauchbarer Verweis, etwa „siehe Handbuch“ | rund 8 % |
| Verweis auf Temu oder AliExpress | rund 5 % |
Der letzte Punkt ist der bemerkenswerteste: Bei etwa jedem zwanzigsten Gerät erfüllt der Hersteller seine Pflicht zur Ersatzteilinformation, indem er auf einen Marktplatz verweist – ohne Zusage, dass dort passende Teile dauerhaft angeboten werden.
Wie belastbar die Zahlen sind
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens stammen die Werte von einer Organisation, die sich seit Jahren für ein Recht auf Reparatur einsetzt; die Rohdaten der Auswertung sind bislang nicht veröffentlicht, sondern werden Behörden, Verbraucherorganisationen und Medien auf Anfrage angeboten. Nachrechnen lässt sich das Ergebnis derzeit also nicht.
Zweitens ist das Problem nicht auf Smartphones beschränkt. Dieselbe Untersuchung nennt für Wäschetrockner einen Anteil von 55 Prozent der Modelle, bei denen das Datenblatt nicht zur vorgesehenen Website führt. Die Smartphone-Branche steht damit schlecht da, aber nicht als Ausreißer – die lückenhafte Pflege der Datenbank zieht sich durch mehrere Produktgruppen.
Das Label fehlt oft schon im Laden
Der zweite Teil der Untersuchung betrifft den Verkauf. Bei einer Stichprobe auf mediamarkt.de trugen nach Angaben der Autoren 690 von 1.671 angebotenen Smartphones kein Pflichtlabel, also rund 30 Prozent. In einer Filiale in Brüssel fehlte es bei 19 von 113 ausgestellten Geräten.
Die Ziehungsmethode dieser Stichproben ist nicht offengelegt, ein Rückschluss auf den gesamten deutschen Handel ist daraus nicht zulässig. Die Größenordnung zeigt aber, worauf es hinausläuft: Ein Kennwert, den Kundinnen und Kunden beim Kauf nicht zu sehen bekommen, beeinflusst auch keine Kaufentscheidung.
Was die Autoren fordern
Berechnung offenlegen
Hersteller und Importeure sollen den vollständigen Bericht hinter dem erklärten Reparaturwert veröffentlichen müssen, nicht nur das Ergebnis.
Meldestelle schaffen
Eine EU-weite Plattform, über die Verstöße gemeldet werden können – bislang gibt es dafür keinen einheitlichen Weg.
Ob und wann die EU-Kommission darauf reagiert, ist offen. Eine Stellungnahme lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.
Was das in der Werkstatt bedeutet
In eine Reparaturwerkstatt kommt niemand mit dem Energielabel in der Hand. Wer bei uns am Tresen steht, hat das Gerät längst gekauft – wirken kann der Reparaturindex nur davor, im Laden oder im Onlineshop. Genau dort fehlt er nach dieser Untersuchung häufig. Das ist der eigentliche Befund: Nicht die Bewertung ist das Problem, sondern dass sie den Menschen nicht erreicht, der sie brauchen würde.
Praktisch relevanter als die Note ist das Feld daneben, das bei jedem zweiten Gerät leer bleibt: der Ersatzteilpreis. Wer vor der Reparatur wissen will, ob sich der Aufwand lohnt, braucht diese Zahl. Steht sie nirgends, kann er sie nicht selbst nachschlagen – er muss fragen. Deshalb arbeiten wir mit einer festen Diagnosepauschale von 29 € und einem Kostenvoranschlag, bevor irgendetwas geschraubt wird.
Auf unsere Beschaffung wirkt sich die Lücke dagegen kaum aus. Als Apple Independent Repair Provider und Samsung Independent Repair Partner laufen Originalteile über die Herstellerportale, alles Weitere über geprüfte Distributoren. Was im EPREL-Datenblatt steht oder eben nicht steht, ändert daran nichts. Das Gerät wird durch ein leeres Datenfeld nicht schwerer reparierbar – nur schlechter planbar für den, dem es gehört.
Woran Sie Reparierbarkeit besser erkennen als am Label
Wenn Sie heute ein Gerät kaufen und es in drei Jahren noch reparieren lassen wollen, sind vier Dinge aussagekräftiger als eine Buchstabenklasse:
Gibt es Teile im freien Handel?
Suchen Sie vor dem Kauf nach „Modellname Display Ersatzteil“. Finden unabhängige Händler nichts, findet es Ihre Werkstatt später auch nicht.
Hat der Hersteller ein Reparaturprogramm?
Self Service Repair, ein Partnerprogramm für freie Werkstätten, veröffentlichte Anleitungen – das kostet Hersteller Aufwand und zeigt, dass Reparatur eingeplant ist.
Wie lange gibt es Updates?
Eine verbindliche Zusage über das EU-Mindestmaß hinaus entscheidet, ob sich eine Reparatur im vierten oder fünften Jahr überhaupt noch lohnt.
Wie verbreitet ist das Modell?
Stückzahl schlägt Konstruktion. Für ein millionenfach verkauftes Gerät gibt es Teile und Erfahrungswerte, für ein Nischenmodell oft beides nicht.
In Berlin lässt sich ein Teil der Reparaturkosten zusätzlich über den Reparaturbonus abfedern – unabhängig davon, welche Klasse auf dem Label steht.
Häufige Fragen
Was ist EPREL?
EPREL ist die europäische Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung. Hersteller müssen dort für Smartphones und Tablets unter anderem die Energieeffizienzklasse, Angaben zum Akku und den Reparaturindex hinterlegen. Die Einträge sind öffentlich abrufbar.
Seit wann gilt der Reparaturindex für Smartphones?
Seit dem 20. Juni 2025 unterliegen in der EU verkaufte Smartphones und Tablets den Reparierbarkeitsanforderungen der Ökodesign-Verordnung. Seitdem weist das Energielabel zusätzlich eine Reparaturklasse von A bis E aus.
Wer vergibt die Reparaturklasse?
Die Hersteller erklären den Wert selbst nach der vorgegebenen Methodik und tragen ihn in EPREL ein. Eine unabhängige Prüfung vor der Veröffentlichung findet nicht statt. Genau deshalb fordert iFixit, dass der vollständige Berechnungsbericht offengelegt werden muss.
Bedeutet eine gute Reparaturklasse, dass die Reparatur günstig ist?
Nein. Ersatzteilpreise fließen in die EU-Bewertung nicht ein, sie sind nur separat zu veröffentlichen. Ein Gerät kann eine gute Klasse tragen und trotzdem teure Ersatzteile haben.
Wo finde ich den Reparaturindex meines Geräts?
Auf dem Energielabel am Verkaufsort, im Produktdatenblatt des Herstellers und über die öffentliche EPREL-Datenbank unter eprel.ec.europa.eu. Nach den Ergebnissen der Untersuchung ist das Label allerdings nicht bei jedem Angebot vorhanden.
Was kann ich tun, wenn die hinterlegte Reparaturseite ins Leere führt?
Sie können den Fall an die zuständige Marktaufsichtsbehörde melden. Eine einheitliche EU-Meldestelle für solche Verstöße existiert bisher nicht – genau das gehört zu den Forderungen der Untersuchung.
Quelle: Right to Repair Europe / iFixit, „One Year Into EU Ecodesign Rules“, 07.09.2026 · EU-Produktdatenbank: eprel.ec.europa.eu. Alle Prozentangaben sind so gerundet, wie sie in der Veröffentlichung stehen. Stand: 13.09.2026.
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